Praxistipps

 

Dieses Kapitel stellt Praxistipps zum Deutschlernen mit Flüchtlingen vor.

1. Häufige Fragen

1. Wie beurteile ich Materialien für den Sprachunterricht, die hier nicht aufgeführt werden?

Verlage bringen ständig neue Bücher, Spiele, Apps etc. auf den Markt. Um diese zumindest in Ansätzen beurteilen zu können, sind in diesem Handbuch einige grundlegende Kriterien aufgelistet, an denen man sich orientieren kann.
Siehe: Praxistipps „Wie wähle ich aus?“

2. Woher weiß ich, welches Sprachniveau die Lernenden haben?

Eine Orientierung bietet der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER), der die Sprachfähigkeiten in den vier Kategorien Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen auf den Niveaus A, B und C klar und übersichtlich beschreibt. Hier der GER, überarbeitet vom Goethe-Institut: http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/303.htm.

3. Wie beginne ich den Sprachunterricht, wenn die Lernenden und ich keine gemeinsame Sprache wie z. B. Englisch haben?

DaZ-Unterricht findet in der Regel ausschließlich auf Deutsch statt. Viele Zuwanderer beherrschen keine der bei uns üblichen europäischen Sprachen, so dass zu Beginn des Unterrichtes der elementare Wortschatz wie Vorstellung und Begrüßung und z. B. der Wortschatz des Unterrichtsraumes eingeführt wird. Darauf wird dann immer weiter aufgebaut mit Themen, die sich aus dem Alltag ergeben. Auch Bildwörterbücher können eine sinnvolle Hilfe sein. Mit Mimik, Gestik und ein wenig schauspielerischem Talent lassen sich auch die letzten Sprachbarrieren überbrücken.

4. Wie unterrichte ich in Gruppen, die sehr unterschiedliche Kenntnisse im Deutschen haben?

Zu fast allen Lehrwerken, die in diesem DaZ-Handbuch vorgestellt werden, gibt es sogenannte Lehrerhandreichungen. Diese geben Tipps für die Planung und Durchführung des Unterrichts. Sie enthalten auch Tipps für die sogenannte Binnendifferenzierung, die die Aufteilung einer größeren Gruppe in kleinere Gruppen bedeutet. Die Lerner werden nach Sprachniveau, Alter, Lernertypen usw. eingeteilt und unterschiedlich unterrichtet. Es müssen nicht alle Teilnehmer zu jeder Zeit das Gleiche lernen. Jeder sollte dort abgeholt werden, wo er oder sie sprachlich steht, und daher ist es völlig in Ordnung, wenn die Lernenden z. B. unterschiedliche Arbeitsblätter bekommen oder am Ende des Unterrichts unterschiedlich weit gekommen sind.

5. Wie unterrichte ich Grammatik?

Im DaZ-Unterricht wird Grammatik eher implizit, d. h. innerhalb der Sprachübungen unterrichtet. Grammatikthemen werden danach ausgewählt, wie häufig sie in der Sprache vorkommen und wie wichtig sie für die alltägliche Kommunikation sind. Ein Beispiel ist der Umgang mit den Vergangenheitsformen: Die Zeitform Perfekt benötigt man beispielsweise, um alltäglich Erlebtes zu schildern (ich habe gelernt; ich bin in die Schule gegangen). Das Präteritum hingegen (ich lernte; ich ging in die Schule) ist im Wesentlichen der Schriftsprache vorbehalten und sollte daher nicht im Anfangsunterricht thematisiert werden. Ausnahmen sind „sein“ und „haben“ (ich war in der Schule; ich hatte Unterricht).

6. Wen bezeichnet man als Analphabeten?

Analphabeten werden in zwei Kategorien eingeteilt:
primäre Analphabeten, die in ihrer Erstsprache keine oder nur sehr geringe Schriftsprachkenntnisse haben und funktionale Analphabeten, die trotz Schulbesuchs keine ausreichenden Kenntnisse im Lesen und Schreiben haben.
Keine Analphabeten hingegen sind Zweitschriftlerner. Sie beherrschen zwar unser lateinisches Alphabet nicht, haben aber in ihrer Erstsprache (z. B. Arabisch, Persisch, Urdu, …) ausreichend lesen und schreiben gelernt. Sie lernen das Schreiben in unserer Schrift anders und vor allem schneller als Analphabeten.

7. Warum muss man zwischen Analphabeten und Zweitschriftlernern unterscheiden?

Im DaZ-Handbuch findet man in der Kategorie „Lehrwerke für die Alphabetisierung“ Empfehlungen und Hinweise, welche Materialien für jeweils eine dieser beiden Zielgruppen geeignet sind. Wichtig ist, zwischen Lernern zu unterscheiden, die noch nie oder nur sehr kurz eine Schule besucht haben (Analphabeten) und Lernern, die zwar in ihrem Heimatland eine Schule besucht haben, aber das lateinische Alphabet nicht kennen bzw. beherrschen (Zweitschriftlerner). Beide Gruppen lernen auf unterschiedliche Weise. Ein Analphabet beispielsweise muss oft erst lernen, mit einem Stift umzugehen und sich den verfügbaren Raum auf dem Papier einzuteilen, bevor er mit dem eigentlichen Schreiben beginnen kann. Ein Zweitschriftlerner muss die lateinische Schrift vor allem auswendig lernen und die Schreibung der einzelnen Buchstaben üben.

8. Kann man dieselben Materialien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen?

Auch wenn Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache völlig neu lernen müssen, so ist doch ihre jeweilige Herangehensweise an die Sprache eine ganz andere. Kinder benötigen kindgerechte Bilder und Themen, alles andere überfordert oder langweilt sie. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene möchten ernst genommen werden und können irritiert sein, wenn sie mit allzu kindlichen Bildern und Texten lernen sollen. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, Materialien auch mit einer anderen als der angegebenen Zielgruppe auszuprobieren.

9. Warum sollte man auch mit Erwachsenen im DaZ-Unterricht spielen?

Spiele eignen sich hervorragend für den Sprachunterricht. Nicht nur für die Kinder ist es hilfreich, sich beim Lernen zu bewegen, zu lachen oder die Sprache auf eine neue Art und Weise zu nutzen. Das Erinnerungsvermögen wird nachweislich gesteigert, die Konzentrationsfähigkeit verbessert und die Stimmung im Kurs auch. Auch für traumatisierte Menschen sind Lernspiele hilfreich, um Hemmungen oder Müdigkeit zu überwinden.

10. Ab welchem Sprachniveau kann ich die Lernenden auf berufliche Situationen vorbereiten?

Grundlegender berufsbezogener Wortschatz kann schon auf den Niveaustufen A1 und A2 eingeführt werden. Für komplexe berufliche Zusammenhänge benötigen Deutschlerner das Sprachniveau B1 (siehe oben die Ausführung zum Thema „Sprachniveau“ und siehe im DaZ-Handbuch die Kategorie „Bücher für den Beruf“).

11. Wie bereite ich die Lernenden auf die ersten Prüfungen vor?

Anhand von Materialien, die beispielsweise von telc oder dem Goethe-Institut herausgegeben werden und im Internet zu finden sind, können Lernende sogenannte Modellprüfungen kennen lernen. Diese machen sowohl mit den Prüfungsformaten als auch mit grundlegenden Kenntnissen für die Prüfungen vertraut.

12. Wie kann ich auf Traumatisierung von Flüchtlingen/Geflüchteten reagieren?

Wenn Hinweise auf eine Traumatisierung vorliegen, ist es für den DaZ-Unterricht wichtig, Ruhe und Verlässlichkeit zu vermitteln. Die Stabilisierung im Alltag und im Unterricht ist eine wesentliche Voraussetzung für die Verarbeitung des Erlebten. Eine Traumatisierung kann sich durch die unterschiedlichsten Symptome zeigen: von Müdigkeit über Unkonzentriertheit bis hin zu körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen und sogar Depressionen. Nehmen Sie ggf. Kontakt mit entsprechenden Beratungsstellen auf.

2. Wie wähle ich Lehrwerke und Materialien aus?

Kriterien zur Beurteilung von DaZ-Lehrwerken

1. Format, Qualität, Preis
  1. Passend zum Lernenden (z.B. keine schweren Din A4 Bücher für Kinder)
  2. Haltbare Qualität, gute Bindung, stabiler Karton, strapazierbar
  3. Stimmt das Preis/Leistungsverhältnis und ist die Beschaffung unkompliziert?
2. Schrift
  1. Schriftart: für Zuwanderer mit Muttersprache farsi, arabisch, kyrillisch, etc. möglichst serifenlose Schrift wählen. (ohne Schnörkel, Querstriche – z. B. ‚Arial’)
  2. Schriftgröße (wichtig für ungeübte, auch ältere Leser)
  3. Kontrastreiche Schriftfarbe (wichtig für ältere Lerner)
  4. Zeilenabstände (wichtig für Lerner aus anderen Schriftsystemen)
3. Layout
  1. Übersichtlich und klar, Seiten nicht zu voll
  2. Enthält das Buch eklatante Fehler in der Schreibweise, Übersetzung, Grammatik?
4. Bilder/Fotos
  1. Klar, eindeutig zu erkennen, Bilder sollen Alltag abbilden (Authentizität)
  2. Bild/Wortzuordnungen eindeutig? (mit Ziffern oder Pfeilen)
  3. Wimmelbilder’ vermeiden, außer als gezieltes didaktisches Mittel, um Wortschatz zu trainieren bzw. zum Sprechen anzuregen
  4. Bilder sollen zu Alltagsthemen passen (Alltagsrelevanz)
5. Inhalt
  1. Themen? Sind es Alltagsthemen für den ersten Sprachgebrauch in einem neuen Land?
  2. Zielgruppe? Passen die Themen zu den Lernern? (Lernerorientierung)
  3. Sind Bilder, Wortschatz, Dialoganregungen, Gesprächsaufforderungen enthalten?
  4. Wieviel wird je gelesen, geschrieben, gesprochen, gehört?
  5. Lernen die TN wirklich, sich auf Deutsch mit Deutschen zu verständigen?
  6. Enthält das Lehrwerk Ideen für Projekte unabhängig vom Unterrichtsraum?
  7. Werden Ideen zum eigenständigen (Weiter)Lernen vermittelt?
6. Grammatik
  1. Ist die Grammatik verständlich dargestellt? (für die Lehrkraft und die TN)
  2. Wird die Grammatik-Vermittlung durch Symbole/Farben unterstützt?
  3. Seperate Übersicht (z.B. auch Tabellen: unregelmäßige Verben)
  4. Einfache Progression – wird sie allmählich schwieriger?
  5. Ist die Grammatik in die Themen eingebunden? (kein Selbstzweck, sondern induktiv: sie erklärt sich durch die Zusammenhänge)
7. Zusatzmaterial
  1. Lehrerhandbuch/Lehrerhandreichungen (enthalten Ideen und oft zusätzliche Arbeitsblätter)
  2. Gehören zum Lehrwerk zusätzliche vertiefende Übungshefte, Spielideen, Downloads?
  3. Gibt es Phonetikübungen?
  4. Audio CDs für Hörübungen? (Sind sie lebensnah? Wirken sie echt?)
  5. Gibt es Verweise auf eventuell begleitende Apps, Lernplattformen etc.? Sind sie leicht zu handhaben?

3. Tipps für den Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“

1. Seien Sie offen und kreativ!

Alle von uns haben Erfahrungen gemacht mit Unterricht – sei es als Kind in der Schule, sei es als Erwachsener in einem Sportverein. Dadurch hat jeder von uns auch ein Bild im Kopf, wie eine Lehrerin/ein Lehrer „sein sollte“. Machen Sie sich davon frei, eifern Sie niemandem nach, seien Sie Sie selbst und stellen Sie sich auf Ihre Teilnehmenden ein. Vor allem: vergessen Sie alles, was Sie in Ihrer Kreativität hemmen könnte, verfolgen Sie nicht irgendwelche Regeln und Methoden, nur weil Sie meinen, man müsse das so tun. Mit Ihren Teilnehmenden gemeinsam können Sie erspüren, was diese brauchen. Manchmal ist es das Arbeiten nach einem Buch, manchmal sind es Lieder und manchmal ist es der gemeinsame Besuch eines Supermarktes, der Ihre Lerner weiterbringt.

2. Gehen Sie auf die Teilnehmenden ein!

Jede Gruppe ist anders und alle Teilnehmenden sind unterschiedlich. Egal, ob Sie nur ein oder zwei Personen in Deutsch unterrichten oder eine ganzen Gruppe – versuchen Sie, alle Anwesenden wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dazu gehört, dass Sie versuchen, die Namen Ihrer Teilnehmer zu lernen und möglichst früh festzustellen, wer welche Vorkenntnisse hat. Dann können Sie sich mit Ihrem Unterricht darauf einstellen. Und gerade die Zielgruppe der Flüchtlinge und Asylbewerber, die Sie unterrichten, braucht Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit und soziale Kompetenz von Ihnen. Das heißt auch, dass Sie sich sicher sein sollten, wenn Sie beginnen zu unterrichten, dass Sie einige Zeit dabeibleiben werden und dass Sie mit Spaß, Geduld und Humor an die Sache herangehen können.

3. Schaffen Sie eine positive Lernstimmung!

Zu einer positiven Lernstimmung gehört ein Umfeld, in dem man sich konzentrieren, sich gegenseitig gut verstehen und einander gut sehen kann. Wenn kein eigener Raum zur Verfügung steht, dann genügt eine Ecke, in der es einigermaßen ruhig ist. Wenn Sie mehrere Personen unterrichten, dann stellen Sie die Tische und Stühle am besten so, dass sich alle sehen können und dass eine Gruppe entsteht. Sehr gut geeignet ist dafür eine U-Form oder ein Kreis, am wenigsten geeignet sind Stuhlreihen hintereinander. Lassen Sie beim Lernen Fehler zu, denn diese sind ganz normal, auch wenn man etwas schon mehrmals erklärt hat. Und vor allem: haben Sie selber Spaß beim Unterrichten, denn das merken die Teilnehmenden und lassen sich davon anstecken.

4. Schaffen Sie „Gruppendynamik“!

Verbinden Sie, wenn Sie mehrere Personen unterrichten, die Teilnehmenden aktiv untereinander. Das sollte man von der ersten Stunde an versuchen zu erreichen, beispielsweise mit Spielen zum Kennenlernen, bei denen die Teilnehmenden sofort auch miteinander in Kontakt kommen. Bei solchen Methoden kommt niemand dazu, sich zu langweilen und für den Einzelnen entstehen so mehr Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme. Nebenbei werden Sie entlastet und haben die Chance, sich ein wenig zurückzunehmen. Denn es ist nicht Ihre Aufgabe, Ihr Wissen einfach nur mitzuteilen oder an die Tafel zu schreiben. Viel mehr bringt es allen, wenn Sie die Lernenden dazu bringen, aktiv zu werden, sich auszutauschen und das Gelernte anzuwenden.

5. Setzen Sie auf Methodenvielfalt!

Jede Person lernt anders. Durch verschiedene Methoden sprechen Sie unterschiedliche Lerntypen an. Gleichzeitig bringt ein Methodenwechsel Schwung, Abwechslung und Energie in Ihren Unterricht und alle können sich besser konzentrieren und die Inhalte besser aufnehmen. Konkret bedeutet dies, dass Sie zum Beispiel zwischen den sogenannten „Sozialformen“ wechseln: mal arbeiten alle zusammen, mal hört man einem zu, dann wieder gibt es eine Partnerarbeit oder auch einmal eine stille Einzel-Lernphase. Eine andere Möglichkeit zum Wechsel ist neben dem Lehrbuch der Einsatz von Spielen (Bewegungsspiel zum Auffrischen, Vokabellernspiel, Kommunikationsspiel, etc.), von authentischen Materialien (Zeitungsartikel, Stadtplan, Formulare, etc.), von Liedern oder Bildern. Wichtig hierbei ist, dass sich die einzelnen Phasen immer wieder abwechseln.

6. Haben Sie Geduld!

Viele Ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Muttersprachen, die völlig anders aufgebaut sind als Deutsch. Außerdem haben viele von ihnen Erfahrungen gemacht, die sie heute noch negativ beeinflussen (Traumatisierung). Die meisten von ihnen leben außerdem in Situationen, die sich auf das Lernen hemmend auswirken (unsicherer Aufenthaltsstatus, finanzieller Druck, Unterbringung in beengten Verhältnissen). So kann es sein, dass Sie auf Teilnehmende treffen, die scheinbar kaum vorankommen mit dem Lernen. Gehen Sie in solchen Fällen sehr langsam voran, wiederholen Sie viel, vermitteln Sie dieselben Lerninhalte in unterschiedlichen Zusammenhängen. Und zeigen Sie Ihren Teilnehmenden auf, was sie für Fortschritte machen, denn das ermutigt sie. Und freuen auch Sie sich über jeden kleinen Lernschritt, den Ihre Teilnehmenden schaffen!

7. Bleiben Sie beim Wichtigsten!

Die Asylsuchenden und Flüchtlinge haben einen Alltag, in dem sie reale Situationen sprachlich meistern müssen. Bleiben Sie mit Ihren Lerninhalten nahe bei dieser Lebensrealität Ihrer Teilnehmenden. Das heißt, dass zum Beispiel der Wortschatz für den Einkauf, für Arzt- oder Behördenbesuche wichtiger ist als für Theaterbesuche oder für das Planen eines Urlaubs. Hierfür können Sie auch sehr gut authentische Materialien im Unterricht einsetzen, wie zum Beispiel Stadtpläne, Formulare, Busfahrpläne oder auch mal ein Kochrezept oder Wohnungsanzeigen in Zeitung oder Internet.

8. Redezeit statt Grammatik!

Sprache ist sehr viel mehr als nur Grammatik. Viele haben früher in der Schule gelernt, dass Grammatik das Wichtigste ist. Ihre Teilnehmenden aber müssen sehr schnell in einer Lebensrealität zurechtkommen, in der Wortschatz oder auch feststehende Phrasen für die Kommunikation sehr viel wichtiger sind als Grammatikregeln. Versuchen Sie einen Unterricht zu gestalten, in dem sehr viel gesprochen wird. Und gehen Sie über viele Fehler zunächst gelassen hinweg, wenn man verstehen kann, was die Lernerin oder der Lerner meint, denn das ermutigt sie. Wenn Sie nach einiger Zeit feststellen sollten, dass sich einige gravierende Fehler beginnen zu verfestigen, dann kann man immer noch die eine oder andere Regel thematisieren.

9. Nehmen Sie sich zurück!

Die Rolle von Unterrichtenden ist heutzutage mehr die eines Lernbegleiters oder Lern-„Ermöglichers“. Und so sollten Sie vermeiden, dass Sie dozieren, indem Sie Ihren Lernern Inhalte, Regeln, Worte „vor-erzählen“. Beobachten Sie sich und versuchen Sie selber möglichst wenig Redezeit in Anspruch zu nehmen. Räumen Sie stattdessen Ihren Teilnehmenden möglichst viel Zeit zum Sprechen ein. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten: geben Sie Fragen von Teilnehmenden an die Gruppe weiter, lassen Sie Übungen reihum machen und sich die Lerner gegenseitig korrigieren. Setzen Sie Spiele ein, in denen alle viel sprechen müssen.

10. Nehmen Sie sich wichtig!

Dieser Punkt bezieht sich nicht auf die Unterrichtsmethodik, sondern auf Sie als ehrenamtliche Lehrkraft. Beobachten Sie sich gut und bekommen Sie ein Gefühl dafür, wieviel Sie bereit sind zu geben in Ihrem Unterricht oder gegebenenfalls auch darüber hinaus. Kommen Sie zurecht mit den Dingen, die Sie über Krieg, Flucht und Vertreibung von Ihren Lernern erfahren? Fühlen Sie sich wohl mit Ihrer Rolle im Deutschunterricht? Suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sich überfordert fühlen! Für die sprachliche Seite gibt es professionelle Deutschdozenten, die Ihre Fragen beantworten können oder an die Sie eventuell sogar einzelne Teilnehmende weiterleiten können. Und auch wenn Sie merken, dass manche Dinge Sie seelisch belasten, sollten Sie sich früh genug um professionelle Hilfe bemühen. Lernen Sie von Anfang an, sich auch abzugrenzen und sich genug Zeit für Ihre eigenen Belange zu nehmen.

11. Und zum guten Schluss

Viele Verlage bieten Lehrerhandbücher oder -handreichungen zu ihren Lehrwerken an. Diese enthalten neben zusätzlichen Arbeitsblättern auch Tipps, wie Sie den Unterricht, das Thema, oder auch eine Methode ein- und durchführen. Auch wenn Sie nicht mit einem Lehrwerk arbeiten, lohnt es sich diese Handreichungen als Ideengeber durchzublättern. Man bekommt sie gebunden als Hefte oder Bücher, immer häufiger auch online auf den Webseiten der Verlage. In unserem DaZ-Handbuch finden Sie entsprechende Empfehlungen in den einzelnen Kapiteln.